Weltgeschichtentag: Bachanderl – Der Archäologe: Von Zwergensälen und alten Heizungen

Weltgeschichtentag: Bachanderl – Der Archäologe: Von Zwergensälen und alten Heizungen

Der Leibnitzer Hauptschuldirektor und engagierte Heimatforscher Professor Eduard Staudinger (1910 -2001), hatte bei seinen Streifzügen durch die Leibnitzer Heimat immer ein besonderes Auge und Ohr für Land und Leute. So dürfte wohl auch die folgende Geschichte zu seiner Kenntnis gelangt sein.

„Bachanderl“ – der Archäologe


Bis ins 19. Jahrhundert hinein widmete man den Bodenfunden noch keine besondere Aufmerksamkeit. Erst der Rationalismus brachte die Erkenntnis, daß in den Bodenfunden die Spuren längst vergangener Zeiten verborgen liegen. Wollte man ihnen nachgehen, mußte man planmäßig diese „Boden verklungener Zeitalter“ zu erfassen suchen. Die hohe Zeit der Ausgrabungen, der Spatenforschung, der Archäologie, begann. Auch auf dem Leibnitzer Feld erschienen gelehrte Männer und gruben auf der Kälberhalt Klein-Wagna, auf den Kogeläckern in Gralla, auf den Kogelplan zu Tillmitsch und noch an vielen Orten.

Dem einheimischen Volk waren diese Herren ein Rätsel. Hatten die doch an der Universität studiert und vertaten nun ihre Zeit und ihr Geld mit der Suche nach alten Scherben, die zu nichts mehr nütze waren. Die Leute waren gewohnt, nur das als „Arbeit“ zu bezeichnen, was sofort einen Geld – oder einen sonstigen sichtbaren materiellen Ertrag einbrachte, alles andere war für sie Spielerei, ja Vergeudung von Geld. Hinter dieser Herumgraberei mußte etwas anderes dahinterstecken. Die Suche nach geheimen „Schätzen“! Dies mußte man natürlich vor dem Volke verborgen halten. Nach jeder wissenschaftlichen Grabung setzte daher stets eine Unzahl privater Nachgrabungen ein – bis in die jüngste Zeit hinein…

Einer dieser Zweifler war auch ein alter Einleger*, insgeheim „Bachanderl“ genannt. Kopfschüttelnd sah er den Ausgrabungen auf den Kogeläckern in Gralla zu. Hinterher machte er sich selber an die Arbeit und grub. Der alte Bachanderl fand Geschirrscherben, Münzen, Fibeln** und das ein oder andere komische Ding. Bald war er in der Gegend bekannt, daß man solche Dinge von ihm käuflich erwerben könne. Tatsächlich kamen Leute aus der Stadt und legten für den „alten Plunder“ ihr gutes Geld aus. Dem Bachanderl konnte das nur recht sein. Er finanzierte damit seinen Schnapskonsum und ähnliches. Das ging durch Jahre so hin.

Plötzlich grub der Bachanderl nicht mehr! War er alt geworden? Hatte ihn sein geliebter Schnaps so fertiggemacht? Eines Sonntags fragte man ihn in der Gaststätte: „No Bachanderl, was is? Grabst nix mehr?“ — „Naa!“ — „Warum net?“ — Schweigen.
Einige Stamperl, lösten doch seine Zunge. Der Bachanderl hob an: „Der große Schatz ist nia kemm! Von mein Ahnlvater han i g’hört, wo a Schatz liegt, wo zu bestimmten Zeiten in der Nacht a blaues Licht brennt. Da han i in der Nacht zu graben ang’hebt! Da is ma aber was Rares unterkemmen. I han gnue…“ — „Was denn? Erzähl!“
Einige weitere Stamperl nahmen dem Bachanderl die letzten Hemmungen: „I han am Kogelacker graben. In der Nacht. Da bin i in a Halle kemm. Die war net höher wie bis zum Knia! Viele Säulen waren drin. Mir is ganz rar wurden. Dös mueß aa Zwergensaal sein! Und wie sich drinnen in der Halle gar etwas geriegelt hat, bin i g’rennt. Nit dö Unterirdischen will i nix zu tun haben…“ — „Bachanderl! Wie viel Stamperln hast schon gehabt?!“ — Bachanderl antwortet: „Naja ein paar! Wennst in der Nacht arbeitest, is ja kalt. Mueßt di ja aufwärmen!“ — „Bist net am Hellichtentag nachschauen gangen!“ — „Freili! Da war aber alles zusammengestürzt und verschwunden. In der Nacht bin i bestimmt in an Saal vom Zwergenkönig g’wen…“
Niemand glaubte dem Bachanderl die Mär.

Was der gute Bachanderl da angegraben hatte, muß eine römerzeitliche Bodenheizung gewesen sein, wo der Zimmerboden auf Ziegelstehern ruht und die Warmluft unter dem Doppelboden hindurchzieht.

  • Quelle: Eduard Staudinger (1976): „Bachanderl“ – der Archäologe. In: Leibnitz Aktuell 1976 / 1, S. 7

* Als Einleger bezeichnete man in früherer Zeit alt gewordene Knechte und Mägde, die nicht mehr arbeitsfähig waren. Sie wurden praktische von Hof zu Hof „weitergereicht“ und dort eine Zeit lang verköstigt | **Fibel: römische Gewandnadel bzw. Gewandspange

Römische Fußbodenheizung (hypocaustum)

Der Boden wurde auf Ziegelstützen gelegt. So entstand ein System von Kanälen, die von außen beheizt wurden und sich mit heißer Luft füllten. Diese Wärme wurde über den Fußboden in den Raum abgegeben.

Beitrag von Stadthistorikerin Dr. Ursula Pintz & Tanja Schenner MA (Stabstelle Stadtentwicklung und Projektmanagement)